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Zahnarztpraxis Dr. med. dent. Thuma

Parodontologie

„Parodontitis betrifft fast jeden – früher oder später!“

Was ist eigentlich Parodontose genau?

Parodontose bezeichnet man heute nur noch als Parodontitis, denn die Bereiche um den Zahn herum, also Zahnfleisch und Kieferknochen sind entzündet. Die Parodontitis entsteht aus einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Diese bemerkt man an blutender, geröteter und teilweise geschwollener Schleimhaut. Wenn die Bakterien der Zahnfleischentzündung, die in Belägen stecken, nicht entfernt werden, wandern sie an die Wurzeloberfläche, das Zahnfleisch lockert sich und bildet eine Tasche. Dann ist die Entfernung der Bakterien für den Patienten mit den Methoden der häuslichen Zahnpflege fast unmöglich und die Parodontitis entsteht.

 

Ist denn eine Parodontitis für den Patienten gravierend?

Ja, zwar verläuft der Prozess meist schmerzfrei, aber die Folgen der Parodontitis bedeuten eine massive Einschränkung der Lebensqualität. Besonders problematisch ist der Abbau der Knochensubstanz aufgrund der Entzündung. Die Zähne des Parodontitis-Patienten verlieren nach und nach ihren Halt, da sich der Knochen, in dem die Zähne verankert sind, immer weiter abbaut. Zahnverlust ist dann die Konsequenz. Leider ist aber deshalb auch die Prognose für eine Implantatversorgung schlecht, denn diese benötigen ebenfalls festen Halt in gesundem Kieferknochen. Selbst der feste Sitz der Prothesenversorgung kann nicht auf Dauer gewährleistet werden. Mit dem Zahnfleischrückgang ist vor allem eine Beeinträchtigung der Ästhetik verbunden. Die Zähne werden „länger“, da die Zahnwurzeln sichtbar werden. Besonders schade ist es, wenn sich die interdentale Papille (der kleine Zahnfleischanteil zwischen zwei Zähnen) in Folge der Parodontitis zurückgebildet hat.

 

Wer ist denn von Parodontitis betroffen?

Man geht inzwischen davon aus, dass 60 % der deutschen Bevölkerung erkrankt sind. Schon Kinder tragen teilweise die Parodontitisbakterien im Mund, diese werden genau wie Kariesbakterien von der Mutter auf das Kind übertragen. Ab Mitte 30 ist Parodontitis für jeden ein Thema. Es gibt Testverfahren, die über das  Parodontitisrisiko Aufschluss geben. Der mikrobiologische Test weist den Typus der Parodontitisbakterien nach und der Interleukin-Test gibt die genetische Disposition des Getesteten an. Einige Patienten bemerken leider erst spät wie behandlungsbedürftig ihre Mundsituation ist. Sie haben lange keine Beschwerden, insbesondere keine Zahnschmerzen. Blutendes Zahnfleisch wird hingenommen. Sie werden aufmerksam, wenn ihre Zähne „lang geworden“ sind, sich die interdentale Papille zurück gezogen hat oder sie unter Mundgeruch leiden.

 

Kann man denn gegen diese Probleme etwas unternehmen?

Heutzutage kann etwas dagegen unternommen werden! Diese Erkrankung erfordert konsequente Gegenmaßnahmen. Je früher diese einsetzten, umso besser ist die Prognose. Erste Maßnahme ist eine professionelle Zahnreinigung zur Bakterienminimierung. Danach kann die Tiefe der Taschen konkret mit einer Sonde gemessen und per Röntgen der Grad des Knochenabbaus diagnostiziert werden. Je nach Schweregrad wird die Therapie entweder geschlossen oder chirurgisch durchgeführt. Der wichtigste Therapiebestandteil ist es, unter örtlicher Betäubung Plaque und Konkremente aus den Zahnfleischtaschen zu entfernen. Diese Maßnahme wird zunächst geschlossen durchgeführt, bei schweren Fällen dann auch chirurgisch. Die Entzündung kann anschließend abheilen, der Zahnfleisch- und Knochenschwund wird gestoppt. Nach Abklingen der Entzündung strafft sich das Zahnfleisch und die Tasche verengt sich. Um das Behandlungsergebnis zu halten ist ein neuer, höherer Standard der Mundhygiene erforderlich. Die tägliche Mundhygiene zu hause muss häufig neu besprochen und gezeigt werden. Die alle drei Monate durchzuführende professionelle Zahnreinigung ist bei Parodontitis-Patienten nach allen wissenschaftlichen Studien für den Langzeiterfolg Voraussetzung.

Die modernen Methoden der Parodontalchirurgie helfen dabei, die Folgen der Parodontitis zu reduzieren. Die typischen Zahnfleischdefekte, z.B. an den Eckzähnen, können mit einer Verschiebelappenoperation behandelt werden, auch verlorene Knochensubstanz kann unter bestimmten Voraussetzungen wieder aufgebaut werden.

Die Möglichkeiten der erfolgreichen Therapie von Parodontitis haben in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Die Standardmethoden, die immer noch wichtig sind und die Basis der konservativen Parodontitisbehandlung bilden, führen in fortgeschrittenen Fällen teilweise nicht zum Ziel der Zahnerhaltung und können durch die Methoden der Parodontalchirurgie ergänzt werden.

 

Was passiert bei der Parodontalchirurgie?

Es geht immer um Kieferknochendefekte, die durch Parodontitisbakterien ausgelöst wurden. Sie zu stoppen und ihre Folgen wie Zahnlockerung und Zahnfleischrückgang zu verhindern, ist das Ziel der Parodontalchirurgie. Neben den früher fast ausschließlich angewandten resizierenden („abtragenden“) Methoden, können wir heute auch regenerativ („wiederherstellend“) arbeiten. Wir haben immer das ästhetische Ergebnis im Auge, denn durch den zu radikalen Abtrag entzündeten Gewebes kann man zwar die Parodontitis besiegen, jedoch entsteht hierdurch ein ästhetisch wenig ansprechender Zustand, den die Patienten nicht schätzen. Bei den regenerativen Methoden geht es um die Wiederherstellung verloren gegangenen Gewebes, vor allem Knochen und Bindegewebe. Mit Knochenregenrationsmaterialen, insbesondere Schmelz-Matrix-Proteinen, wird der Körper angeregt, wieder eigene Zellen zu bilden. Diese Substanz können wir anwenden bei tiefen, aber schmalen Knochentaschen oder wenn durch Knochenabbau die Wurzelteilungsstelle von Backenzähnen freiliegt. Allerdings ist stets nur eine Verbesserung um eine Stufe möglich. Zwar können hierdurch häufig wichtige Zähne erhalten werden, aber es gilt, dass man die Maßnahmen in einem möglichst frühen Stadium ergreifen sollte, um von ihnen profitieren zu können. Eine Parodontitisbehandlung auf die lange Bank zu schieben ist nicht angezeigt, denn dies verhindert häufig die mögliche Zahnrettung.

 

Wenden Sie diese Materialen noch in anderen Fällen an?

Ja, z.B. bei der Kieferkammerhaltung („socket preservation“). Unmittelbar nach einer Zahnextraktion sollte noch am gleichen Tag die Alveole mit Knochenersatzmaterial, z,B. Biokollagenen, aufgefüllt werden. So kann der Knochenverlust minimiert werden. Dies ist besonders wichtig bei der Extraktion von Backzähnen, wenn ein Implantat folgen soll. Denn ein Implantat braucht genau wie ein natürlicher Zahn für festen und langen Halt genug gesunden Kieferknochen.

 

Können Sie denn auch etwas für das Zahnfleisch tun?

Ja, das Zahnfleisch steht einfach im Blickpunkt und ist sehr wichtig für die dentale Ästhetik. Viele Patienten meinen, sie litten unter Parodontose, weil das Zahnfleisch an einzelnen Stellen zurück geht. Das ist jedoch gar nicht immer der Fall, denn es gibt auch Zahnfleischrückgang ohne parodontale Knochendefekte. Die Gründe sind meist mechanischer Natur, eine falsche Putztechnik, kieferorthopädische Maßnahmen oder Fehlbelastungen des Kiefergelenks, z.B. durch stressbedingtes Knirschen oder Pressen. Erst muss in diesen Fällen natürlich die Ursache beseitigt werden, also die Putztechnik unter Anleitung verfeinert oder bei Knirschern eine Schiene angefertigt und getragen werden. Dann können wir mit einer Verschiebelappenoperation oder der Transplantation eines Bindegewebsstückes aus dem Gaumen des Patienten das Zahnfleisch wieder dort hinbringen, wo es hingehört. In einigen Fällen ist es sogar möglich, auf das Nähen teilweise verzichten und ästhetisch noch schonender mit Histoacrylkleber zu arbeiten (sog. "Envelope Technik")




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